Antrag zur Kreistagssitzung am 26.06.2026:
Prüfung der Entsiegelung und Begrünung von Schulhöfen
Viele Schulhöfe sind aktuell Beton- und Asphaltwüsten. Schattige Grünflächen sind rar. Sie heizen sich im Sommer auf, die Aufenthaltsqualität ist bescheiden. Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte leiden unter immer heißeren Sommern, was sowohl die Gesundheit, das soziale Miteinander als auch die Unterrichtsqualität beeinträchtigt.
Zur Schaffung besserer Lern- und Lebensbedingungen an unseren Schulen stellt die Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN folgenden Antrag:
- Die Verwaltung wird beauftragt, für Entsiegelung geeignete Schulhöfe im Kreis Limburg-Weilburg zu ermitteln, und zu prüfen, ob und wie eine Entsiegelung und Begrünung der Pausenhöfe prioritär umgesetzt werden kann.
- Die Ergebnisse der Prüfung sollen im Ausschuss für Umwelt, Energieversorgung, Klima und Landwirtschaft vorgestellt werden.
- Die Maßnahmen sollen gemeinsam mit den jeweiligen Schulleitungen, Elternbeiräten und Schülervertretungen geplant und pädagogisch begleitet werden.
Begründung:
Die Hessische Landesregierung hat sich durch die Kommunale Klimarichtlinie zur Förderung von investiven Maßnahmen im Rahmen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung bekannt. Ziel ist die Förderung von Vorhaben zur Erreichung der klimapolitischen Ziele der hessischen Landesregierung. Die Strategien zur Erreichung der Ziele sollen sich neben dem Kosten-Nutzen-Verhältnis der Maßnahmen auch an der Wichtigkeit des Schutzgutes orientieren. Neben den Schutzgütern der körperlichen Unversehrtheit und des Schulwesens ist auch der in Art.20a GG genannte Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen besonders betroffen. Auch durch den Ausbau der Ganztagsbetreuung wird das richtige Kleinklima an den Schulen zunehmend wichtiger.
Ein Förderschwerpunkt der kommunalen Maßnahmen liegt in der Begrenzung der negativen Auswirkungen des Klimawandels (Klimaanpassung) auf „insbesondere Entsiegelung/Begrünung/Beschattung öffentlicher Flächen (Schulhöfe, Kindergarten, Dorfplätze, Sportplätze, Straßenräume)“.
Der Hitzedruck im Rahmen des Klimawandels wird in den letzten Jahren besonders in den Sommermonaten immer deutlicher. Darunter leiden besonders junge und ältere Menschen. Die einen, weil sie sich viel bewegen, die anderen, weil sie sich immer beschwerlicher bewegen können. Als Mitglied im Bündnis Hessischer Klimakommunen stehen wir als Landkreis Limburg-Weilburg in besonderer Verantwortung, die Themen Klimaschutz und Klimaanpassung ernst zu nehmen.
Mit „Abpflaster“-Aktionen und Programmen haben Frankfurt, Marburg (www.z-u-g.org), Hamburg, Schleswig-Holstein begonnen. NRW hat mit seinem Förderprogramm „Coole Schulen“ das Thema Entsiegelung von Schulhöfen auf der Agenda. Es werden sogar Außenklassenzimmer gefördert, was Schulen die Möglichkeit eröffnet, an heißen Tagen im Schatten von Bäumen zu unterrichten. Klimaanpassung und hohe Lebensqualität gehen dabei einher mit Kinderschutz und Bildung (www.umwelt.nrw.de).
Auch in Hessen werden im Rahmen der kommunalen Klimarichtlinie, des Förderprogramms „Klimakommunen“ ( www.klima-kommunen-hessen.de) sowie den KfW-Förderschwerpunkt D2/Programm 444 (https://ad.zentrum-klimaanpassung.de) die Entsiegelung, Begrünung und Wiederherstellung von Bodenfunktionen zur Reduktion von Hitzeinseln und Verbesserung der Klimaanpassung als Förderschwerpunkte benannt. Dies ist insbesondere für Schulhöfe relevant.
Vorteile einer Entsiegelung, d.h. Entfernen von Beton- und Asphaltflächen
- Oberflächen- und Grundwasser: Wasser versickert auf natürliche Weise in den Boden, Grundwasserspeicher werden aufgefüllt, Kanalisation wird entlastet, Überflutungen werden vermieden.
- Luftqualität: Verdunstung von Wasser führt zu einer besseren Luftqualität; Begrünung filtert Schadstoffe aus der Luft.
- Lärmreduktion: Grünflächen senken den Lärmpegel und bauen damit Stress ab.
- Gesundheitsförderung: Pflanzen schaffen ein gesundheitsförderndes Lern- und Begegnungsumfeld
- Soziale Interaktion: Grünflächen schaffen attraktive Aufenthaltsorte und fördern soziale Interaktionen. Aufenthalt im Grünen führt nachweislich zu einem positiveren sozialen und psychischen Wohlbefinden und reduzieren aggressives Verhalten.
- Verbesserung des Mikroklimas: die Aufenthaltsqualität auf den Schulhöfen und den angrenzenden Klassenzimmern wird verbessert. Wärmeinseleffekte und Hitzeextreme von asphaltierten Flächen werden abgemildert (Verdunstungskälte und Schattenwurf).
- Abkühlung: Grüne Schulhöfe führen zu natürlichen Klimatisierungseffekten der Schulgebäude, was die zukünftigen Kosten für Klimaanlagen senkt. Falls zusätzlich Pflanzen für Fassadenbegrünung angepflanzt werden, führt dies zu einer Wärmedämmung und Klimatisierung von Schulgebäuden. Gebäude werden vor extremen Temperaturschwankungen und Witterungseinflüssen geschützt, d.h. Materialien halten ggf. länger.
- Biodiversität: Artenvielfalt wird gefördert durch Grünflächen, die als Lebensräume für Pflanzen und Tiere dienen.
- Lebensmittelherstellung: Falls Teile der Grünflächen zum Nutzgarten umgewandelt werden, können Lebensmittel für die Mittagsversorgung der Schulgemeinschaft angebaut werden.