Hitzeaktionsplan des Landkreises Limburg-Weilburg – Bilanz nach einem Jahr

Anfrage zur Kreistagssitzung am 28. August 2026

  1. Welche der im Hitzeaktionsplan vorgesehenen Maßnahmen wurden seit dessen Verabschiedung umgesetzt?
  2. Welche Maßnahmen befinden sich derzeit noch in der Umsetzung oder Planung?
  3. Wie wurden die einzelnen Maßnahmen von den beteiligten Einrichtungen (z. B. Kommunen, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Schulen und weiteren Akteuren) angenommen?
  4. Welche Rückmeldungen liegen dem Kreisausschuss von Kommunen, Einrichtungen und Bürgerinnen und Bürgern zur praktischen Umsetzung des Hitzeaktionsplans vor?
  5. Wurde der Hitzeaktionsplan hinsichtlich seiner Wirksamkeit oder seiner praktischen Umsetzung bereits evaluiert? Falls ja:
    • Welche Ergebnisse liegen vor?
    • Welche Schlussfolgerungen wurden daraus gezogen?
  6. Falls bislang keine Evaluation erfolgt ist:
    • Ist eine Evaluation vorgesehen?
    • Wann soll diese durchgeführt werden und nach welchen Kriterien?
  7. Wurden während der Hitzeperioden des vergangenen Jahres besondere Unterstützungsmaßnahmen oder Warnungen ausgelöst? Falls ja, welche?
  8. Wie bewertet der Kreisausschuss insgesamt die Wirksamkeit des Hitzeaktionsplans nach dem ersten Jahr?
  9. Sieht der Kreisausschuss aufgrund der bisherigen Erfahrungen Änderungs- oder Ergänzungsbedarf am Hitzeaktionsplan? Falls ja, welche Anpassungen sind vorgesehen?
  10. Welche zusätzlichen Maßnahmen plant der Kreisausschuss, um den Schutz besonders hitzebelasteter Personengruppen angesichts der zunehmenden Zahl von Hitzetagen weiter zu verbessern?
  11. Hat der Landkreis zur Erstellung oder Umsetzung des Hitzeaktionsplans Fördermittel des Landes Hessen, des Bundes oder anderer Fördergeber beantragt oder erhalten? Falls ja:
    • aus welchen Förderprogrammen,
    • in welcher Höhe,
    • für welche Maßnahmen wurden die Mittel verwendet?
    • Beabsichtigt der Kreisausschuss, künftig entsprechende Förderprogramme in Anspruch zu nehmen?
    Falls nein:
  12. Welche Ämter der Kreisverwaltung, kreiseigenen Einrichtungen sowie kreisangehörigen Städte und Gemeinden sind in die Umsetzung des Hitzeaktionsplans eingebunden? Wie erfolgt die Koordinierung der Maßnahmen und der Informationsaustausch zwischen den beteiligten Akteuren?

Antwort

Zu 1.

Der Hitzeaktionsplan (HAP) des Landkreises Limburg-Weilburg ist am 16.06.2025 in Kraft getreten. Seit diesem Zeitpunkt wurden durch die Kreisverwaltung zahlreiche Maßnahmen und Projekte zur Hitzeprävention sowie zum Schutz der Bevölkerung vor den gesundheitlichen Auswirkungen extremer Hitze umgesetzt.

  • Zur Information der Bevölkerung wurde die Internetseite des Landkreises um ein Hitzeportal erweitert. Dieses stellt tagesaktuelle Informationen auf Grundlage der Daten des Deutschen Wetterdienstes für Hessen, den Landkreis Limburg-Weilburg sowie auf Wunsch auch für einzelne Kommunen bereit. Darüber hinaus enthält das Portal umfangreiche Hinweise zum Hitzeschutz sowie Informationen zur UV- und Ozonbelastung. Sämtliche nachfolgend aufgeführten Maßnahmen und Angebote sind ebenfalls über das Hitzeportal abrufbar.
  • Zur Sensibilisierung und Aufklärung der Öffentlichkeit wurden Hitzeflyer sowie Hitze-Infoblätter erstellt. Die Informationsblätter stehen derzeit in acht Sprachen zur Verfügung und ermöglichen damit einen niedrigschwelligen Zugang für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen.
  • Der Hitzeknigge des Umweltbundesamtes wurde um landkreisspezifische Hinweise und Informationen ergänzt und als digitales Informationsangebot in das Hitzeportal integriert.
  • Bereits seit August 2024 wird mit dem Hitzetelefon 70+ ein telefonisches Unterstützungsangebot für ältere Menschen vorgehalten. Dieses Angebot wurde in den Hitzeaktionsplan eingebunden und stellt einen wichtigen Baustein des präventiven Hitzeschutzes dar.
  • Mit der Kühle-Orte-Karte wurde eine interaktive Übersicht geschaffen, die von Bürgerinnen und Bürgern gemeldete kühle Aufenthaltsorte sowie öffentliche Trinkwasserspender im Landkreis darstellt. Barrierefrei zugängliche Orte sind gesondert gekennzeichnet.
  • Für eine zielgruppengerechte Öffentlichkeitsarbeit wurden digitale Vorlagen für Social-Media-Beiträge entwickelt. Diese vermitteln Informationen und Handlungsempfehlungen zur Hitzeprävention für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen.
  • Bei Erreichen der Warnstufe 2 wird auf der Internetseite des Landkreises eine Warnkachel aktiviert, die unmittelbar auf das Hitzeportal verweist und den Zugang zu aktuellen Informationen erleichtert. Seit Inkrafttreten des Hitzeaktionsplans wurde insgesamt sechsmal die auslösende Warnstufe 2 („Extreme Wärmebelastung“) des Deutschen Wetterdienstes erreicht. Im Jahr 2025 traten zwei warnwürdige Hitzeereignisse auf, jeweils Anfang Juli und Mitte August. Im Jahr 2026 wurde bis Anfang August bereits viermal die Warnstufe 2 erreicht. Während einer außergewöhnlich langen Hitzeperiode von Mitte bis Ende Juni (elf Tage) kam es zu drei extremen Hitzeereignissen. Anfang August folgte ein weiteres warnwürdiges Hitzeereignis im Landkreis.
  • In den Monaten März bis Juni fanden bzw. finden zahlreiche Vortragsveranstaltungen unter dem Titel „Hitzeschutz – wieso, weshalb, warum?“ statt. Die Veranstaltungen richten sich insbesondere an vulnerable Personengruppen und wurden unter anderem bei Seniorentreffs, im Mütterzentrum, in Selbsthilfegruppen sowie beim Kreisseniorenbeirat durchgeführt.
  • Zur Unterstützung der Akteurinnen und Akteure im Gesundheits- und Sozialwesen werden Muster-Hitzeschutzpläne sowie deren Aktualisierungen regelmäßig an medizinische Einrichtungen, Pflegeeinrichtungen und weitere soziale Dienste weitergeleitet. Ziel ist es, die Umsetzung einheitlicher und wirksamer Hitzeschutzmaßnahmen in den Einrichtungen zu fördern.
  • Der Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft fördert fortlaufend die Verbesserung des baulichen Hitzeschutzes der kreiseigenen Liegenschaften. So wurden und werden fortlaufend energetische Maßnahmen an den kreiseigenen Gebäuden, insbesondere an den Schulstandorten, umgesetzt. Durch die energetische Sanierung an den Gebäuden, wie Fassaden- und Dachdämmungen, Einbau neuer Fenster mit hochwertiger Verglasung, werden nicht nur die Energieverbräuche in der kalten Periode reduziert, sondern auch das Aufheizen im Sommerzeitraum.

Im letzten Jahr wurden größere energetische Maßnahmen an der Schule auf dem Falkenflug Löhnberg sowie an der Theodor-Heuss-Schule in Limburg umgesetzt. Außerdem wurden Fenster an der Grundschule in Oberzeuzheim erneuert sowie die Sonnenschutzanlage an weiteren Fensterflächen der Fürst-Johann-Ludwig-Schule in Hadamar ergänzt.

Die Förder-/Beratung des Sonderdienstes Klimaschutzmanagements für die Kommunen und Vereine des Landkreises führte zu umgesetzten Klimaanpassungsmaßnahmen wie zum Beispiel:

  • Entsiegelung von Asphaltflächen und Baumpflanzung
    • Staatliche Glasfachschule Hadamar
  • Einbau von Zisternen zur Regenwassernutzung
    • Sportplatz Waldhausen, Antragsteller Stadt Weilburg
  • Anlegung einer Baumallee und weiteren Baumpflanzungen
    • Verschönerungsverein Langendernbach
    • Stadt Hadamar
  • Sonnenschutz für Saalfenster
    • Jugendheim der Kath. Kirchengemeinde St. Peter und Paul, Bad Camberg
  • Jalousien für Kitas
    • Kita Wirbelwind in Wirbelau, Antragsteller Stadt Runkel
  • Kreisweites Wasserfest in Limburg, um für das Thema Hitze & Trockenheit zu sensibilisieren
    • Verein „Gemeinsam zusammen e. V.“

Zu 2.

Der Hitzeaktionsplan ist als dynamisches Handlungskonzept angelegt und wird fortlaufend an neue Erkenntnisse, Erfahrungen sowie veränderte Rahmenbedingungen angepasst und weiterentwickelt.

Die Teilnahme am bundesweiten Refill-System Deutschland, einer Initiative zur kostenlosen Abgabe von Leitungswasser in mitgebrachte Trinkgefäße, wird ebenfalls geprüft. Der Umsetzung stehen derzeit jedoch noch hohe hygienerechtliche Anforderungen entgegen.

Darüber hinaus ist eine Erweiterung der am Hitzeaktionsplan beteiligten Akteurinnen und Akteure vorgesehen. Geplant ist insbesondere die Einbindung der kreiseigenen Betriebsmedizin, um den Hitzeschutz der Mitarbeitenden der Kreisverwaltung stärker zu berücksichtigen. Eine geplante Kooperation zwischen Sachgebiet Sport und Ehrenamt, dem Sportkreis Limburg-Weilburg und der Gesundheitskoordination des Gesundheitsamtes zielt darauf ab, den organisierten Sport des Landkreises / die Sportvereine in den Blick zu nehmen und diese durch Weitergabe von Informationen zum präventiven Hitzeschutz für das Thema zu sensibilisieren.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden des Landkreises. Den Kommunen stehen vielfältige Möglichkeiten zur Umsetzung von Maßnahmen der Klimaanpassung zur Verfügung, deren Wirkung für die Bürgerinnen und Bürger unmittelbar vor Ort erlebbar ist. Eine stärkere Einbindung der Kommunen wird daher als wichtiger Baustein für die Weiterentwicklung des Hitzeaktionsplans angesehen.

Zudem ist vorgesehen, ambulante Pflegedienste stärker in die Informations- und Handlungskette des Hitzeaktionsplans einzubinden. Hierzu prüfen wir die Möglichkeiten der Einbindung des Pflegestützpunktes des Landkreises.

Die interaktive Kühle-Orte-Karte soll kontinuierlich weiterentwickelt werden. Insbesondere ist eine Ergänzung um weitere öffentliche Trinkwasserspender sowie barrierefrei zugängliche Aufenthaltsorte vorgesehen. Begleitend sollen gezielte Social-Media-Beiträge die Bevölkerung zur Meldung geeigneter Standorte motivieren.

Nach Abschluss der Sommerperiode erfolgt eine Auswertung der Zugriffszahlen auf das Hitzeportal, insbesondere während der Hitzewellen. Die Ergebnisse sollen zur Bewertung der Reichweite und zur Weiterentwicklung des Informationsangebots genutzt werden.

Darüber hinaus wird derzeit geprüft, das bestehende Modell der Nachbarschaftshilfe der Leitstelle Älterwerden um den Aspekt des Hitzeschutzes zu erweitern. Ziel ist die Etablierung sogenannter Hitzepatenschaften, durch die insbesondere ältere und alleinlebende Menschen während sommerlicher Hitzeperioden zusätzlich unterstützt werden können.

Im Bereich Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft ist für 2026 eine größere energetische Verbesserung an Gebäudeteilen der Johann-Christian-Senckenberg-Schule in Runkel vorgesehen. Auch an der Kreissporthalle in Weilburg sowie an der Grundschule in Arfurt sollen energetische Sanierungen erfolgen.

Im Wirtschaftsplan des Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft wurde zudem eine Haushaltsstelle geschaffen mit dem Titel Hitzeschutzmaßnahmen an kreiseigenen Liegenschaften. Dieser Sammelansatz dient zur Anschaffung von zum Beispiel einzelner Sonnenschutzjalousien, Sonnensegel oder auch Sonnenschutzfolien an Fensterscheiben.

Über diese Mittel wurden in den letzten Monaten kleinere Hitzeschutzmaßnahmen u. a. an der Walderbachschule und am Gymnasium Philippinum in Weilburg, an der Schule im Goldenen Grund in Niederselters sowie an der Grundschule in Linter durchgeführt. Außerdem wurden Sonnensegel für die Albert-Schweitzer-Schule in Limburg, Elbtalschule in Dorchheim sowie für die Herzenbergschule in Hadamar installiert.

Im Zuge der Planung und Umsetzung von Erneuerungen bzw. Neugestaltung von Außenflächen werden ebenfalls schattenspendende Vegetationsflächen/Bäumen berücksichtigt.

Zu 3.

Die im Hitzeaktionsplan aufgeführten Maßnahmen und Handlungsempfehlungen wurden bereits im Vorfeld gemeinsam mit den jeweiligen beteiligten Akteurinnen und Akteuren erarbeitet und abgestimmt. Im Rahmen dieses partizipativen Prozesses wurden die unterschiedlichen fachlichen Anforderungen, Zuständigkeiten und praktischen Umsetzungsmöglichkeiten berücksichtigt sowie das Einverständnis der Beteiligten eingeholt.

Zu 4.

Die außergewöhnlich hohen Temperaturen im Mai 2026 sowie die erste ausgeprägte Hitzewelle von Mitte bis Ende Juni haben zu einer deutlich veränderten Wahrnehmung des Themas Hitzeschutz in der Bevölkerung, bei den Kommunen sowie in der medialen Berichterstattung geführt.

Während Hitzeaktionspläne, Hitzeschutzmaßnahmen und Präventionsangebote in den Jahren 2024 und 2025 teilweise noch als überzogen oder nicht erforderlich angesehen wurden, rückte mit den langanhaltenden Hitzeereignissen im Sommer 2026 zunehmend die Frage nach bereits umgesetzten Maßnahmen und bestehenden Schutzangeboten in den Fokus.

In vielen Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens bestehen bereits etablierte Hitzeschutzkonzepte. Für Krankenhäuser, stationäre Pflegeeinrichtungen, Rettungsdienste, Arztpraxen und Apotheken liegen bundesweit entwickelte Muster-Hitzeschutzpläne vor, die auch im Landkreis Limburg-Weilburg vielfach Anwendung finden. Insbesondere in Krankenhäusern und stationären Pflegeeinrichtungen gehört die Umsetzung entsprechender Hitzeschutzmaßnahmen inzwischen zum fachlichen Standard. Darüber hinaus stehen auch für Kindertageseinrichtungen sowie ambulante Pflegedienste Handlungsempfehlungen und Leitfäden für den Umgang mit extremer Hitze zur Verfügung.

Die gestiegene Sensibilisierung für das Thema spiegelte sich auch in konkreten Rückmeldungen und Anfragen verschiedener Einrichtungen wider. So würdigte das Staatliche Schulamt für den Landkreis Limburg-Weilburg die mehrsprachigen Hitze-Infoblätter ausdrücklich als hilfreiches Informationsangebot. Das Mütterzentrum Limburg e. V. regte die Durchführung eines „Kühle-Orte-Spaziergangs“ in Limburg an. Aus der Obdachlosenhilfe wurde der Wunsch nach einem weiteren Ausbau öffentlicher Trinkwasserspender an den Landkreis herangetragen. Zudem fragten mehrere Kindertageseinrichtungen während der Hitzewelle nach einheitlichen Handlungsempfehlungen beziehungsweise einem abgestimmten Verfahren für den Betrieb der Einrichtungen bei extremer Hitze.

Zu 5.

Zur Evaluation des Hitzeaktionsplans wurde am 16.12.2025 als eines der wenigen Gesundheitsämter in Hessen eine digitale Befragung der am Hitzeaktionsplan beteiligten Akteurinnen und Akteure durchgeführt. Hierzu wurde ein Online-Fragebogen an rund 70 Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner aus dem Netzwerk des Hitzeaktionsplans versandt.

Die Teilnahme an der Befragung erfolgte anonym; auf freiwilliger Basis konnten Kontaktdaten für Rückfragen hinterlegt werden. Insgesamt beteiligten sich 35 Personen an der Umfrage, davon beantworteten 16 Personen den Fragebogen vollständig.

Der Fragebogen umfasste 29 Fragen und befasste sich insbesondere mit folgenden Themenbereichen:

  • Erreichbarkeit der im Hitzeaktionsplan eingebundenen Akteurinnen und Akteure sowie deren Engagement bei der Weitergabe von Informationen an vulnerable Bevölkerungsgruppen,
  • Bewertung der bestehenden Informations- und Präventionsangebote, insbesondere des Hitzeportals, des Hitzetelefons sowie weiterer Informationsmedien,
  • Erhebung von Anregungen und Vorschlägen zur Weiterentwicklung kommunaler Hitzeschutzmaßnahmen.

Die Auswertung der Befragung zeigte, dass insbesondere folgende Optimierungsmöglichkeiten gesehen werden:

  • eine stärkere Nutzung digitaler und sozialer Medien zur Ansprache der Bevölkerung,
  • die konsequente Bereitstellung mehrsprachiger Informationsangebote,
  • eine Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit der Internetseite des Landkreises, insbesondere hinsichtlich der Auffindbarkeit des Hitzeportals und weiterer Informationen zum Klimaschutz,
  • die Einrichtung mobiler Informations- und Trinkwasserstände während Hitzeperioden in den Städten und Gemeinden zur Sensibilisierung der Bevölkerung.

Darüber hinaus wurde angeregt, den Kreis der am Hitzeaktionsplan beteiligten Akteurinnen und Akteure weiter auszubauen. Genannt wurden insbesondere ambulante Pflegedienste, Vereine sowie Sportorganisationen zur Aufnahme in das Informations- und Aktionsnetzwerk des Hitzeaktionsplans.

Im Hinblick auf die kommunale Klimaanpassung wurden insbesondere zusätzliche Begrünungsmaßnahmen, der Ausbau öffentlicher Trinkwasserspender sowie weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Hitzeverträglichkeit im öffentlichen Raum – beispielsweise der Einsatz von Vernebelungsanlagen – als wünschenswert bewertet.

Auch die Gesamtbewertung des Hitzeaktionsplans fiel überwiegend positiv aus. 75 % der Teilnehmenden bewerteten den Hitzeaktionsplan mit den Schulnoten 1 oder 2, was auf eine hohe Akzeptanz und Zufriedenheit mit den bisherigen Maßnahmen und dem eingeschlagenen Vorgehen hinweist.

Zu 6.

Der Hitzeaktionsplan sieht eine regelmäßige, jährlich durchzuführende Evaluation der umgesetzten Maßnahmen vor. Ziel ist es, die Wirksamkeit der Maßnahmen zu überprüfen, Optimierungspotenziale zu identifizieren und den Hitzeaktionsplan kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Die Gesundheitskoordinatorinnen und Gesundheitskoordinatoren der hessischen Gesundheitsämter stehen hierzu auf Landesebene in einem regelmäßigen fachlichen Austausch. Gegenstand dieses Austauschs ist insbesondere die Weiterentwicklung und möglichst einheitliche Ausgestaltung zukünftiger Evaluationsverfahren, um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse sowie den Wissenstransfer zwischen den Gesundheitsämtern zu fördern.

Zu 7.

Im Jahr 2025 kam es zu zwei warnwürdigen Hitzeereignissen. Anfang Juli trat eine sechstägige Hitzewelle auf, in deren Verlauf an zwei Tagen die Warnstufe 2 („Extreme Wärmebelastung“) des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erreicht wurde. Mitte August folgte eine weitere dreitägige Hitzeperiode mit einem Tag der Warnstufe 2.

Im Jahr 2026 zeichnete sich bereits der Mai durch überdurchschnittlich hohe Temperaturen aus. Von Mitte bis Ende Juni trat eine außergewöhnlich lange, insgesamt elftägige Hitzewelle auf. Während dieses Zeitraums wurde an mehreren Tagen die Warnstufe 2 ausgerufen. Ende Juli sowie Anfang August folgten weitere Hitzeperioden; am 4. August wurde erneut die Warnstufe 2 erreicht.

Bei Erreichen der Warnstufe 2 wurden jeweils die im Hitzeaktionsplan vorgesehenen kurzfristigen Maßnahmen ausgelöst. Hierzu gehörten insbesondere:

  • die Aktivierung der Informations- und Aktionskette des Hitzeaktionsplans über den eingerichteten E-Mail-Verteiler, wenn möglich bereits einen Tag vor Beginn der Warnstufe 2,
  • die telefonische Kontaktaufnahme mit den Teilnehmenden des Angebots Hitzetelefon 70+,
  • eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit über Pressemitteilungen, die auf der Internetseite des Landkreises aktivierte Warnkachel sowie die Social-Media-Kanäle des Landkreises.

Durch diese abgestimmten Maßnahmen konnten sowohl die beteiligten Einrichtungen als auch die Bevölkerung frühzeitig über bevorstehende Hitzebelastungen informiert und für geeignete Schutzmaßnahmen sensibilisiert werden.

Zwischenzeitlich haben viele Einrichtungen der Pflege und der Gesundheitsversorgung den DWD-Newsletter abonniert und erhalten so zeitnah und aktuell die DWD-Hitzewarnungen, die auch das Warnsystem des Hitzeaktionsplans Limburg-Weilburg auslösen.

Zu 8.

Mit der Einrichtung der Stelle der Gesundheitskoordination im Sommer 2024 wurden die organisatorischen Voraussetzungen für die Erarbeitung eines kommunalen Hitzeaktionsplans geschaffen. Bereits ein Jahr später konnte der Hitzeaktionsplan des Landkreises Limburg-Weilburg verabschiedet und in Kraft gesetzt werden.

Während der Erarbeitungsphase wurde die Notwendigkeit eines Hitzeaktionsplans zunächst teilweise zurückhaltend bewertet. Der Landkreis Limburg-Weilburg ist als ländlich geprägter Flächenlandkreis mit vergleichsweise geringer Siedlungsdichte sowie zahlreichen Wald- und Freiflächen bislang weniger stark von Hitzebelastungen betroffen gewesen als verdichtete Ballungsräume oder Kommunen im Süden Hessens. Bis einschließlich 2025 waren langanhaltende und extreme Hitzeereignisse im Landkreis vergleichsweise selten.

Die außergewöhnlichen Hitzeperioden des Jahres 2026 haben jedoch deutlich gemacht, dass auch der Landkreis Limburg-Weilburg zunehmend von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen ist. Mit der Häufung und Intensivierung extremer Hitzeereignisse wächst sowohl in der Bevölkerung als auch bei den beteiligten Institutionen das Bewusstsein für die Bedeutung eines wirksamen präventiven Hitzeschutzes und entsprechender Klimaanpassungsmaßnahmen.

Hitze stellt inzwischen eines der bedeutendsten klimabedingten Gesundheitsrisiken dar. Ziel des Hitzeaktionsplans ist es daher, die Bevölkerung frühzeitig über bevorstehende Hitzebelastungen zu informieren, gesundheitliche Risiken zu verdeutlichen und zu einem eigenverantwortlichen, hitzeangepassten Verhalten anzuregen. Hitzewarnungen können ihre Schutzwirkung insbesondere dann entfalten, wenn sie verständlich kommuniziert werden und konkrete Handlungsempfehlungen vermitteln.

Nach Einschätzung des Kreisausschusses leistet der Hitzeaktionsplan hierzu einen wichtigen Beitrag. Durch die etablierte Informations- und Aktionskette werden insbesondere vulnerable Bevölkerungsgruppen frühzeitig erreicht und über geeignete Schutzmaßnahmen informiert. Gleichzeitig trägt die kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit über unterschiedliche Kommunikationskanäle – darunter die Tagespresse, das Hitzeportal, Social Media, das Hitzetelefon sowie digitale Fahrgastinformationen im öffentlichen Personennahverkehr – dazu bei, die Relevanz gesundheitsschädlicher Auswirkungen extremer Hitze der gesamten Bevölkerung zu verdeutlichen. Diese Informationspolitik hat auch zum Ziel, das Bewusstsein für die persönliche Hitzeverletzlichkeit jedes Einzelnen zu schaffen und an dessen Eigenverantwortung zu appellieren.

Darüber hinaus bildet der Hitzeaktionsplan eine wichtige Grundlage für die Entwicklung und Umsetzung weiterer Maßnahmen der Hitzeprävention und Klimaanpassung. Neben der Sensibilisierung der Bevölkerung rücken dabei zunehmend auch strukturelle Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und der Hitzeresilienz im öffentlichen Raum sowie im Arbeits- und Lebensumfeld der Bürgerinnen und Bürger in den Fokus.

Der Kreisausschuss bewertet den Hitzeaktionsplan daher als ein zentrales Instrument der kommunalen Gesundheitsvorsorge und des präventiven Bevölkerungsschutzes. Angesichts der zu erwartenden Zunahme von Hitzeereignissen infolge des Klimawandels wird seine Bedeutung künftig weiter wachsen. Ein wirksamer Hitzeschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur durch das Zusammenwirken von Verwaltung, Kommunen, Institutionen und einer informierten Bevölkerung erfolgreich umgesetzt werden kann. Der Hitzeaktionsplan schafft hierfür die notwendigen Strukturen und trägt dazu bei, gesundheitliche Belastungen und hitzebedingte Erkrankungen möglichst wirksam zu vermeiden.

Zu 9.

Wie bereits im Organisationszyklus des Hitzeaktionsplans beschrieben, ist dieser als dynamisches Instrument angelegt und unterliegt einer kontinuierlichen Evaluation, Reflexion sowie bedarfsgerechten Weiterentwicklung. Die im ersten Jahr der Umsetzung gewonnenen Erkenntnisse fließen fortlaufend in die Anpassung und Optimierung der Maßnahmen ein.

Die bisherigen Erfahrungen verdeutlichen insbesondere den Wunsch nach einer noch stärkeren Einbindung der Städte und Gemeinden. Aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern sowie ihrer Zuständigkeiten und Handlungsmöglichkeiten im Bereich der kommunalen Planung und Infrastruktur kommt den Kommunen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen zu. Während in den Sommermonaten vor allem Maßnahmen der Verhaltensprävention im Vordergrund stehen, um die Bevölkerung kurzfristig vor den gesundheitlichen Auswirkungen extremer Hitze zu schützen, können außerhalb der Hitzeperiode verstärkt langfristige Maßnahmen der Verhältnisprävention umgesetzt werden. Hierzu zählen insbesondere Gebäudeverschattung, die Entsiegelung von Flächen, die Schaffung und der Ausbau öffentlicher Trinkwasserspender, der Erhalt und die Entwicklung von Frischluftschneisen sowie Begrünungsmaßnahmen im öffentlichen Raum.

Eine erste Anpassung des Hitzeaktionsplans wurde bereits umgesetzt: Der Aktionszeitraum des Hitzetelefons 70+ wurde ab dem Sommer 2026 erweitert. Während das Angebot bislang auf den Zeitraum vom 15. Juni bis 31. August begrenzt war, orientiert sich die Laufzeit künftig an der tatsächlichen Dauer der sommerlichen Hitzebelastung. Das Hitzetelefon wird daher während der gesamten Sommermonate aktiviert, solange der Deutsche Wetterdienst Hitzewarnungen für den Landkreis herausgibt. Damit trägt der Landkreis den veränderten klimatischen Bedingungen und der zunehmenden Ausdehnung der Hitzeperioden Rechnung.

Zu 10.

Der Kreisausschuss sieht den Hitzeaktionsplan als einen fortlaufenden Entwicklungsprozess, der regelmäßig überprüft und an neue Erkenntnisse sowie klimatische Veränderungen angepasst wird. Viele der bereits eingeleiteten beziehungsweise geplanten Maßnahmen wurden in den vorangegangenen Ausführungen bereits dargestellt und werden im Rahmen der Weiterentwicklung des Hitzeaktionsplans weiterverfolgt.

Darüber hinaus stehen insbesondere folgende Handlungsfelder im Fokus:

  • eine weitere Verstärkung der Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden, da diese durch ihre unmittelbare Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern sowie ihre Zuständigkeiten im Bereich der kommunalen Infrastruktur eine zentrale Rolle bei der Hitzeanpassung einnehmen;
  • die stärkere Vernetzung weiterer relevanter Akteurinnen und Akteure, insbesondere aus dem Gesundheits-, Pflege-, Sozial- und Bildungsbereich;
  • die kontinuierliche Verbesserung der zielgruppengerechten Kommunikation, damit insbesondere vulnerable Personengruppen frühzeitig erreicht und für geeignete Schutzmaßnahmen sensibilisiert werden;
  • die Weiterentwicklung von Maßnahmen der Verhältnisprävention, also der Anpassung der Lebens- und Arbeitsumgebung an häufigere Hitzeperioden, beispielsweise durch Begrünungsmaßnahmen, Verschattung und Verbesserung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt weiterhin darauf, die Eigenvorsorge und Handlungskompetenz der Bevölkerung zu stärken. Der Schutz vor den gesundheitlichen Folgen extremer Hitze kann langfristig nur durch das Zusammenspiel von Verwaltung, Kommunen, Einrichtungen, Fachakteuren und Bürgerinnen und Bürgern wirksam gewährleistet werden.

Der Kreisausschuss wird die Erfahrungen aus den kommenden Hitzeperioden weiterhin auswerten und den Hitzeaktionsplan entsprechend den gewonnenen Erkenntnissen fortlaufend anpassen.

Zu 11.

Der Kreisausschuss hat zur Erstellung und Umsetzung des Hitzeaktionsplans Fördermittel des Landes Hessen sowie des Bundes abgerufen. Die Mittel dienten insbesondere dem Aufbau der personellen Voraussetzungen für die Entwicklung und Umsetzung des Hitzeaktionsplans sowie der Einrichtung digitaler Informationsangebote.

Landesmittel:

Über das Hessische Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege wurden im Rahmen des Förderprogramms zur Förderung einer Personalstelle „Gesundheitskoordination“ Mittel in Höhe von 204.375,00 € für den Zeitraum vom 17.06.2024 bis 31.12.2028 bewilligt. Die Förderung ermöglicht die Einrichtung und Finanzierung der Stelle der Gesundheitskoordination. Zu den Aufgaben gehören u. a. der Aufbau einer kommunalen Gesundheitsstrategie sowie die Erstellung, Umsetzung und Weiterentwicklung des kommunalen Hitzeaktionsplans des Landkreises Limburg-Weilburg.

Bundesmittel:

Im Rahmen des Förderprogramms „Steigerung und Weiterentwicklung des digitalen Reifegrades des öffentlichen Gesundheitsdienstes in Deutschland“ wurden Bundesmittel in Höhe von 10.650,51 € für die Entwicklung und Umsetzung des Hitzeportals Limburg-Weilburg eingesetzt. Das digitale Informationsangebot bündelt aktuelle Informationen zu Hitzebelastungen, Schutzmaßnahmen und Präventionsangeboten und unterstützt damit die Umsetzung der Informations- und Kommunikationsmaßnahmen des Hitzeaktionsplans.

Durch die Inanspruchnahme der Fördermittel konnten sowohl die strukturellen Voraussetzungen als auch die digitalen Angebote für einen nachhaltigen und zukunftsorientierten Hitzeschutz im Landkreis geschaffen werden.

Zu 12.

Die zentrale Koordinierungsstelle des Hitzeaktionsplans ist im Gesundheitsamt des Landkreises Limburg-Weilburg, Fachbereich Grundsatzangelegenheiten und Verwaltung, angesiedelt. Sie übernimmt die Steuerung und Koordination des Informations- und Aktionsnetzwerks des Hitzeaktionsplans und verbindet Akteurinnen und Akteure aus unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen zu einer gemeinsamen Struktur für präventiven Hitzeschutz.

In das Informations- und Aktionsnetzwerk des Hitzeaktionsplans sind sowohl kreisinterne Ämter, Fachbereiche, Fachdienste und Einrichtungen als auch externe Partner eingebunden.

Kreisinterne Akteure:

  • Gesundheitsamt
  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
  • Leitstelle Älterwerden (Sozialamt)
  • Pflegestützpunkt (Sozialamt)
  • Obdachlosenhilfe (Sozialamt)
  • Fachdienst Migration und Integration (Sozialamt)
  • Selbsthilfe-Kontaktstelle (Gesundheitsamt)
  • Personalamt
  • Netzwerk Kinderschutz und Frühe Hilfen (Amt für Jugend, Schule und Familie)
  • Fachdienst Brand-, Zivil- und Katastrophenschutz (Amt für Öffentliche Ordnung)
  • Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft
  • Amt für Finanzen und Organisation
  • Jobcenter
  • Wirtschaftsförderung Limburg-Weilburg GmbH (WfG)

Externe Akteure:

  • Städte und Gemeinden des Landkreises Limburg-Weilburg
  • Krankenhäuser, Reha-Einrichtungen
  • Staatliches Schulamt, Schulen
  • Kindertagesstätten
  • Apotheken, Gesundheitsberufe
  • Kirchen, Diakonie, Caritas, Wohlfahrtsverbände
  • ÖPNV
  • Einrichtungen zur Unterbringung und Pflege ältere, pflegebedürftiger oder behinderter Menschen

Die im Hitzeaktionsplan beschriebenen Maßnahmen der beteiligten Akteurinnen und Akteure wurden bereits im Vorfeld abgestimmt und gemeinsam vereinbart. Die jeweiligen Partner übernehmen ihre Aufgaben eigenverantwortlich innerhalb der abgestimmten Informations- und Handlungskette.

Wird durch den Deutschen Wetterdienst die Warnstufe 2 „Extreme Wärmebelastung“ ausgerufen, aktiviert die Gesundheitskoordination des Gesundheitsamtes die Informations- und Aktionskette des Hitzeaktionsplans. Hierzu erfolgt eine entsprechende Information per E-Mail an alle im Netzwerk beteiligten Akteurinnen und Akteure.

Die beteiligten Stellen können daraufhin die für ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereich vorgesehenen Maßnahmen eigenständig und bedarfsgerecht umsetzen. Durch diese abgestimmte Kommunikationsstruktur wird gewährleistet, dass relevante Informationen zeitnah weitergegeben und insbesondere vulnerable Bevölkerungsgruppen frühzeitig erreicht werden.